(2010) von Andreas Helming
Material: Stahl
Bei den „Turmspringerinnen“ handelt es sich um über zwei Meter große Stahlskulpturen, die zweidimensional erscheinen. Ihre Form zeigt nicht einfach eine realistische Nachbildung von Frauenkörpern: Die Umrisse sind kantig, bei genauerem Hinsehen erscheinen die Flächen wie ein Gewebe aus Dreiecken. Trotz dieser starren Linienführung wirken die Figuren als Ganzes grazil, athletisch und anmutig. Ihre außergewöhnliche Bewegung wird als Momentaufnahme fixiert.
Der wie ein verlassener Grenzposten wirkende Hochständer erhält nun als Gesamtinstallation mit den Turmspringerinnen eine neue Funktion, die ihn nicht als Starenabwehr, sondern hier als Sprungbrett in ein „Meer von Reben und Wein“, wie der Künstler es selbst beschreibt, erscheinen lässt.
Andreas Helmling ist mit zahlreichen Skulpturen im öffentlichen Raum, besonders in Karlsruhe, unter anderen mit den „Springenden Panthern“ am Friedrichsplatz vor dem Naturkundemuseum oder seiner „Ettlinger-Tor-Skulptur“, vertreten. Er war Meisterschüler an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe bei Otto Herbert Hajek. Auch im Bereich Film, Fotografie, Graphik und Malerei war er künstlerisch tätig. Die Bildhauerei stand jedoch immer im Zentrum und hier vor allem Skulpturen aus Stahl. Dabei hat das Material als ein lebendiges, auf Temperatur und Feuchtigkeit reagierendes für ihn eine besondere Bedeutung. Seine Kunst stellt er in theoretische Zusammenhänge. Wie die „Turmspringerinnen“ sind in dieser Zeit silhouettenartige Metallplastiken entstanden, die eine geometrisch reduzierte Formensprache aufweisen. Andreas Helmling verstarb im Jahr 2019.
Übersetzung Latein Audioguide:
“FEMINAE DE TURRI DESILIENTES” a Andreas Helming angulares et planae fictae sunt. Si diligenter spectas, eae e triangulis compositae esse videntur. Simul feminae ingentes mobiles et venustae apparent. Viator appropinquans putet lacum aut mare post viam esse, in quod feminae ingentes de turri desiliant – profecto in „mare de vitibus vinisque“, ut Andreas Helming ipse sculpturam descripsit. Sic locus venatorius, qui procul statio militum relicta videatur, nunc turris feminis desilientibus et pars sculpturae est.
Die „TURMSPRINGERINNEN“, die vom Künstler Andreas Helming größer als Menschen geschaffen wurden, scheinen aus flachen Dreiecken zu bestehen, aber in Wahrheit sind die Formen von ihnen nur eckig. Gleichzeitig erscheinen die sehr großen Frauen beweglich und grazil. Wer auf die Skulptur zugeht, könnte meinen, dass sich hinter dem Weg ein See oder gar ein Meer befände, in das die riesigen Frauen springen würden – tatsächlich in ein „Meer aus Reben und Wein“, wie Andreas Helming selbst die Skulptur beschrieben hat. So wird der Hochsitz, der von weitem wie ein verlassener Grenzposten erscheint, zum Turm für die Springerinnen und damit zu einem Teil des Kunstwerks.
