Mohnmännchen

(2023) von Paul Diestel

Material: Bronze

Was ist überhaupt ein Mohnmännchen? Die Idee geht zurück auf ein Spiel für Kinder, das der Künstler aus seiner eigenen Kindheit kennt: Auf die noch geschlossene Blüte einer Mohnpflanze wird die Kapsel einer bereits verblühten Pflanze aufgesteckt und bildet den Kopf des Mohnmännchens. Die roten Blütenblätter der noch geschlossenen Mohnblüte darunter werden zu einem Kleid entfaltet. (Hier finden Sie ein Beispielvideo dieses Entstehungsprozesses.

Aber hinter der Skulptur von Paul Diestel steckt mehr als nur die Erinnerung an ein Kinderspiel: Mohn, sowie auch andere oft unscheinbare Objekte aus der Natur, sollen Spannung wecken, ästhetisch ansprechen und so eine besondere Beachtung und Wertschätzung der Natur erzeugen. Darüber hinaus erscheint das „Mohnmännchen“ von Paul Diestel in seiner abstrahierenden Gestaltung fast wie ein Geistlicher. Diese Assoziation ist nicht zufällig, hat doch die Skulptur die Klausenbergkapelle als Gegenüber.

Der noch junge, aber bereits erfolgreiche Künstler Paul Diestel (*1996) studierte Bildhauerei in Kassel, er lebt und arbeitet in der Rhön. Der Ansatz seiner Kunst, sich mit Natur auseinanderzusetzen, passt zum Konzept des Skulpturenwegs in Abenheim. Schließlich gehört der blühende Mohn zu den Wegrändern der Weinberge.

Mohn ist ein Tausendsassa unter den Heilpflanzen. Sowohl die Kronblätter als auch die Samen können verwendet werden. Mohn wirkt krampflösend, beruhigend, gegen Angina, Bronchitis und Koliken. Seit der Antike ist er in kontrollierten Mengen in der Pharmazie auch als Opiat bekannt und spielt in der Religion, der Mystik und in der Kunst eine besondere Rolle. Mohn ist hier eine reizvolle Kombination zwischen Zartheit und Kraft, was sich auch in der Skulptur widerspiegelt.

Das „Mohnmännchen“ ist Hildegard Dressino gewidmet, die über vierzig Jahre die Klausenberg-Apotheke in Abenheim mit großem Engagement leitete. Sie war durch ihre Beschäftigung mit Heilmedizin sehr verbunden mit Heilkräutern und deren Wirkung.